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Mittwoch, 6. Juli 2016

An African City: Die Neurosen von Accra

Zum Glück hat die Welt ja noch so viel mehr zu bieten als blonde Drachenmütter und neurotische New Yorkerinnen! Netflix sieht sich gerade auf dem asiatischen Markt nach Serien um, und auch in Afrika tut sich einiges. Bestes Beispiel dafür ist die Webserie An African City von Nicole Amarteifio. Das Label "Sex and the City aus Ghana" wurde dafür oft bemüht, wird der Sache aber nicht ganz gerecht. Zwar ist das Setting ähnlich: Fünf Freundinnen leben ihr Leben und sitzen immer wieder zusammen, um darüber zu quatschen. Klar geht es dabei auch immer wieder um Männer, Mode, Geld. Aber eben nicht nur. Denn die Clique kämpft mit einem ganz anderen Grundproblem: Sie sind Rückkehrerinnen. Jeder der Frauen ist zwar afrikanischer Abstammung, aber entweder in den USA oder in England aufgewachsen und dort sozialisiert. Makena beispielsweise hat in Oxford Jura studiert, Sadé hat einen Abschluss der Harvard Business School in der Tasche, NanaYaa ist Journalistin. Sie sind intelligent, schön, selbstbewusst - und scheitern damit grandios im Alltag von Accra, wohin sie das Leben aus verschiedenen Gründen zurückgeführt hat.

"An African City", Season 1, Episode 1



Teils sind es Kleinigkeiten, die den Rückkehrerinnen aufstoßen - zum Beispiel dass der Satz "Du bist fett" durchaus als Kompliment gemeint ist. Oder dass der Kellner nicht immer bringt, was man bestellt hat, sondern was er für richtig hält. Jobs werden nicht offiziell vergeben, sondern unter der Hand - dafür muss man auch schon einmal zu einer Beerdigung gehen, auf der man niemanden kennt, nur um den passenden Ansprechpartner zu treffen. Aber auch die großen Fässer werden ganz nebenbei im Girltalk gestreift: Untreue, Korruption, Mietwucher, undurchsichtige Zollgesetze, Missmanagement. Das alles ist mit wenigen Mitteln, aber tollen Dialogen leicht und lässig inszeniert, so dass man auch die Tonprobleme der Videos verzeiht.

Staffel 1 von "An African City" war auf Youtube ein großer Erfolg, Staffel 2 gibt es nur in der Bezahlversion. Unbedingt ansehen! Und danach am besten noch den Roman "Americanah" von Chimamanda Ngozi Adichie lesen.

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