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Freitag, 11. August 2017

Catastrophe: Was schief gehen kann, geht schief

Es gab lange keine Serie mehr, die mich so richtig vom Sofa gehauen hat. Wer hätte gedacht, dass sich das mitten im Sommerloch ändert? Denn vor ein paar Tagen - bäm! - knallt Amazon Prime Video einfach mal drei Staffeln von "Catastrophe" rein. In welches Genre gehört das denn jetzt - Sitcom? Dramedy? Vielleicht muss man aber auch ein ganz neues Label finden. So etwas wie Truthedy - denn "Catastrophe" ist vor allem deshalb so lustig, weil ständig unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden. In einer Frequenz wie sonst nur Beschimpfungen auf Facebook.

Die beiden Autoren Sharon Horgan und Rob Delaney, die sich übrigens auf Twitter kennenlernten, haben einiges mitgemacht, bevor Catastrophe gedreht werden konnte. Die BBC hat das Drehbuch zuerst abgelehnt, dann schlug zum Glück aber doch Channel 4 zu. Und was noch viel besser ist: Die Autoren spielen auch die Hauptrollen.



Catastrophe: Huch, schwanger!
Worum geht's? Die Irin Sharon Norris hat eine sechs Tage andauernde Affäre mit dem US-Amerikaner Rob Morris. Als er schon wieder in seiner Heimat gelandet ist, stellt Sharon fest: Sie ist schwanger. Rob verflüchtigt sich nicht, sondern entscheidet sich, das Ding durchzuziehen: Er reist zurück nach London und zieht bei Sharon ein. So weit, so normal - wäre Sharon nicht schon in einem Alter, in dem sie als Risikoschwangere gilt. Und außerdem überzeugter Single. Sie bekommt aber noch mehr aufgepackt: Beim Arzt wird ihr nicht nur verkündet, dass sie an einer Gebärmutterhalskrebsvorstufe leidet, sondern auch, dass ihr Kind wohlmöglich mit einer Behinderung auf die Welt kommt.

Und schon bewegt sich das Paar, das sich erst seit wenigen Tagen kennt, als hätte man ihm Bleiwesten angezogen. Wie die beiden darüber reden und streiten, ist trotzdem seit langem das Lustigste, was ich gesehen habe. Das Beste aus beiden Welten sozusagen: Sharon mit irischer Schnoddrigkeit, Rob mit amerikanischem Laissez-faire. Es wird nichts ausgelassen. Sex-Probleme, Schwangerschaftszweifel, Depressionen angesichts des Weltgeschehens, immer raus damit. Die Nebenrollen geben einem den Rest: Sharons verschrobene Eltern, ihr leicht zynischer Bruder und ihre beste Freundin - die sie zutiefst hasst, weil sie immer alles besser kann.

Und schließlich ist da noch Robs Mutter, die ihn immer wieder mit Anrufen aus den USA nervt - gespielt von Carrie Fisher, die kurz nach Beendigung der Dreharbeiten für die dritte Catastrophe-Staffel starb.


Montag, 2. Januar 2017

Statt Konterbier: Red Oaks

Kleiner Durchhänger? Mini-Neujahrsdepression? Motivation auf dem gleichen Niveau wie der Charme von Thomas de Maizière? Dann kann es eigentlich nur einen Serientipp geben, nämlich Red Oaks. Die Comedy von Amazon Studios spielt im New Jersey der 1980er Jahre und ist derzeit wohl das Lustigste, was man zum Thema "schöner scheitern" streamen kann. Hauptfigur ist Student David Meyers, dem es wie vielen geht: Er weiß nicht genau, was er als Nächstes machen will. Seinem Vater Sam (toll wie immer: Richard Kind) wäre es am liebsten, er studierte Buchhaltung. Immerhin hat er das selbst auch getan. Aber David interessiert sich mehr fürs Filmen. Um Zeit zu gewinnen, heuert er für einen Sommer im Country Club "Red Oaks" an und arbeitet als Aushilfs-Tennislehrer. Dort jobben auch seine dauergewellte Freundin Karen als Fitnesstrainerin und sein Freund Wheeler (Oliver Cooper) als Mädchen für alles. Auch Wheeler hat keinen richtigen Plan fürs Leben und ist noch dazu unsterblich in Rettungsschwimmerin Misty verliebt, die ihm aber unerreichbar scheint. Zwischen all diesen planlosen Gestalten schwirrt Nash, Leiter der Tennisschule, herum und versorgt jeden ungefragt mit Lebensweisheiten.

Red Oaks: Dauerwellen und Blue Curacao
Erwartungsgemäß bietet Red Oaks jede Menge 80er-typische Frisurverirrungen und musikalische Fettnäpfchen, aber getragen wird die Serie von den Figuren, die immer wieder sehr nachdenklich werden dürfen. Ganz normale Menschen eben, denen vieles peinlich ist, die auch mal danebenliegen oder dumme Sachen sagen. Man fühlt sich direkt heimisch! Da steckt viel Wärme drin, und zugleich nimmt die Serie sich nicht zu ernst. Mein Geheimtipp für alle, die mental noch etwas Zeit bis zum Dschungelcamp überbrücken wollen und keine Lust auf Düsteres haben. Unbedingt im Original gucken - der Slang von Nash lässt sich unmöglich synchronisieren! Dazu gibt es ein kleines Suchspiel: Wer entdeckt Jennifer Grey?